Was ist Glaube? Was ist Religion? Wo gehoere ich hin?
Das frage ich mich seit fruehester Kindheit. Gerade eben habe ich auf einer Seite fuer Wicca gelesen, dass man erst Wicca ist, wenn man von einer Priesterin initiiert wurde. Kurz davor wurde ueber das "zunehmend innerlich verfaulendes Christentum" geschimpft.
Fuer mich bedeutet Spiritualitaet, dass ich jedem seinen (Irr-)Glauben lassen kann. Keiner kann die Kultur in der er aufgewachsen ist verlaeumden. Jede Tradition hat seinen Ursprung und selbst in der Kirche ist Spiritualitaet zu finden.
Der Dienst an der Gemeinschaft, der Beitrag zum "grossen heiligen Geist" ist fuer mich der Sinn meines Lebens. Und ich kann erst wirklich "dienen", wenn ich mit mir im reinen bin. Jedes Papier, dass ich im Wald aufhebe und jedes Dankesgebet beim Essen reinigt meine Seele. (Ich bin, was ich esse, darum moechte ich da so wenig wie moeglich Fremdstoffe drin haben) Ich brauche keinen Priester oder Heiligen, der mich mit Gott verbinden kann, ich war, bin und bleibe ein Teil des grossen Ganzen, von Gott/Goettin und vom Leben. Es gibt kein Dogma, ausser zu Leben.
Das Gefuehl in einer Gemeinschaft zu leben, in der jeder seine eigene Vorstellung von Gott und Glaube hat, und man doch gemeinsam an einem Tisch isst, gemeinsam ein Ritual zelebriert, einen Altar auf dem jeder seinen Platz findet (Federn neben Kristallschaedeln, neben Zauberstaeben, Kelchen, Knochen und Marienfiguren, und ein Ipod). Wo jeder Streit, jede Unstimmigkeit einen Hintergrund hat und eine Chance bietet, sich zu reinigen, von Vorurteilen und alten Wunden. Eine Gemeinschaft, in der ich ICH sein darf, mit allen Ecken und Kanten. In der ich meine Medizin und meine ganz eigene Magie finden und leben darf. Selbst wenn es mitten im Ritual aufstehen und einen Handstand machen bedeutet. Keine machthungrigen Haeuptlinge, sondern Menschen, die verstanden haben, dass sich alles verdoppelt, wenn man es teilt und in einem Kreis jeder gleich viel Anteil hat. Initiiert wird man durch das Leben und die Gemeinschaft. Der Ruf kommt schon, wenn man darauf hoert (es gibt nur welche, die manchmal den eigenen Ruf fuer einen besser hoeren).
Ich liebe mein Leben mit jedem Tag ein bisschen mehr und bin dankbar, dass ich jeden Tag einen Schritt auf meinem Weg weitergehen darf. Jeder Mensch in meinem Leben ist ein Engel, auch wenn manche davon eher wie Teufelchen aussehen. Doch das sind Menschen, die einem die eigenen Grenzen und negativen Resonanzen aufzeigen. Um so mehr Widersprueche ich fuer mich aufloesen darf, umso weniger von diesen Teufelchen brauche ich auf meinem Weg.