So, hier ein neuer Teil der Geschichte
Jack hatte sich nach Tagen des Verfluchens der Welt und allem anderen an seine Lage gewöhnt. Er übernahm seine täglichen Pflichten und Aufgaben. Während die Karawane die Wüste durchzog gab es einiges zu tun. Vorhut, Nachhut, Holz sammeln, Wasser suchen, Essen, am Lagerfeuer sitzen und mit den anderen Trinken. Letzteres empfand er zusehends als schwerer. Da gerade der Alkohol ihn in diese Lage gebracht hatte, wollte er in ihm nicht die damit aufgeworfenen Sorgen wieder ertrinken. Die anderen hingegen hatten nicht die gleichen Probleme. Es schien fast, als ob sie jeden Abend tiefer in ihre Krüge schauten.
Es kam wie es kommen musste, selbst die Wachen waren nach Wochen des Reisens und ohne erkennbare Gefahren nicht mehr in der Lage, die Karawane zu beschützen. Just als hätte er darauf gewartet griff in einer Schlucht ein großer Drache an. Er wollte sich am frisch geschmorten Ochsen laben. Dieser war die Zehrung für Wochen und keiner wollte ihn so unverteidigt opfern. Doch wie schon erwähnt waren weder die Wachen noch die anderen in der Lage zu so später Stunde noch geradeaus zu schauen, geschweige denn ihr Eigentum zu verteidigen.
Es blieb an Jack, sich zu verteidigen. Der Drachen hatte gemerkt, dass hier mehr zu holen war, als nur Fressen und machte sich daran, die Wagen zu durchsuchen. Mehr als Steinewerfen brachten die meisten nicht mehr fertig. Jack packte die pure Wut. All sein aufgestauter Hass und Frust brach aus ihm heraus, und er ging zum Angriff über.
Er konnte den Drachen zwar in die Flucht schlagen, nur leider half ihm das wenig, denn er wurde als Trophäe mitgenommen.
Der Drache setzte ihn in seinem Nest in der Schluchtwand ab und fing an, sich um seine Wunden zu kümmern. Er hörte eine Stimme, die den Drachen verfluchte. Er dachte schon, es sei sein Verstand, der all diese wüsten Beschimpfungen heraus brüllte. Doch selbst für die Tage, die er nun mit grobschlächtigen Raufbolden verbracht hatte, waren die Flüche zu derb. Das konnte nicht aus seinem Verstand kommen. Er schaute sich um und dort stand eine junge wunderschöne Frau. Er starrte sie mit hängendem Unterkiefer an. Wie konnte solch eine zierliche blonde Elfe solche Wote von sich geben.
Als er noch mit offenem Mund da stand bemerkte sie ihn. Nach kurzem Mustern sah er ihrem Gesicht an, dass sie seine Chancen als potentiellen Retter auf unter Null setzte. Er wollte mit Weibsvolk nichts mehr zu tun haben, die hatte ihm nun mehr als genug Ärger eingebracht und er setze sich in eine Ecke und starrte ins Leere.
Sie kam auf ihn zu und fragte ihn aus. Er antwortete kurz angebunden und als sie anfieng ihm Vorwürfe zu machen, warum er nichts tat schaute er sie von oben bis unten an und verstummte darauf vollkommen.
Als müsste sie ihren aufgestauten Ärger loswerden warf sieh ihm alles vor, was ihr wohl seit Tagen auf Seele brannte.
Er erfuhr von ihrem Schicksal weit mehr, als er es vielleicht getan hätte, wenn er sie unter vernünftigen Umständen kennen gelernt hätte. Doch das war ihm alles einerlei. Er stellte sich seinem Schicksal. Was könnte noch schlimmer kommen, als das hier?
Doch nachdem sie stundenlang nicht mal im Schlaf aufgehört hatte, sich zu beklagen wurde es ihm zu bunt.
Er wandte sich von ihr ab und da der Drache schlief schlängelte er sich an ihm vorbei in die anliegende Höhle. Dort war die ganze Beute des Drachens untergebracht. Er begutachtete alles, und konnte sich tatsächlich für eine Weile von seiner Schmach ablenken. Doch diese Freude sollte ihm nicht lang vergönnt sein. Denn Sophia hatte bemerkt, dass er verschwunden war und kam ihm hinterher. Als sie wieder ansetzen wollte unterbrach er sie barsch. Er hatte genug. Er sammelte ein paar Sachen zusammen, reichte ihr eine Hose, die wohl einem Widersacher des Drachens gehört hatte und duldete kein Wort aus ihrem Mund mehr. Sie konnte ihm folgen oder hier allein weiter vor sich hin schimpfen, es war ihm einerlei.
Nachdem sie sich umgezogen hatte machte er sich mit ihr an die Flucht. Er war zwar nicht der typische Held, doch auf den Kopf gefallen war er nun auch gerade nicht.
Er band ein Seil unter dem Nest fest, so dass der Drache es nicht so schnell bemerken konnte und begann sich abzuseilen. Die Prinzessin folgte ihm. Er hatte sie so sehr eingeschüchtert, dass sie sich nicht einmal über ihre vom Klettern aufgerissenen Hände beklagte. Das Seil reichte zwar nicht weit, aber er wagte den Abstieg trotzdem. Sie kletterte ihm behände hinterher. Kraft hatte sie, das musste er ihr lassen. Mit diversen Schürfwunden, völlig erschöpft und einem Stapel Prellungen inklusive einem Hunger der sich gewaschen hatte kamen sie beide tatsächlich lebend am Boden an. Er untersuchte ihre Wunden, verpflegte sie so gut er konnte und machte ihr unmissverständlich klar, wenn sie noch ein Wort von sich geben würde ließe er sie hier einfach zurück.
Er wusste zwar nicht, aus welcher Richtung der Drache ihn gebracht hatte, doch er erkannte am Boden der Schlucht, dass die Karawane hier vorbeigekommen sein musste.
Nach einem Fußmarsch von einem weiteren halben Tag, in dem er ihr nicht die Möglichkeit gegeben hatte, ihren hübschen Mund überhaupt aufzumachen, erreichten sie eine noch nicht lang zurückgelassene Lagerstätte. Dort waren auch Reste des Essens zu finden, über die er sich sogleich hermachte.
Er hatte kein Interesse an Schlafen und so erreichten sie nach einem weiteren Tag Fußmarsch die Nachhut der Karawane.
Sophie, endlich wieder in der Lage sich zu äußern, machte den Burschen schnell klar, was für einen gesellschaftlichen Rang sie inne hatte. Sie wurde auf ein Pferd gehoben und zum Karawanenführer gebracht. Diesem erzählte sie ihre Geschichte und er versprach ihr, natürlich gegen ein winziges Entgelt, mit dem er sich für den Rest seines Lebens zur Ruhe setzen könnte, sie bis zur nächsten Stadt zu begleiten.
Nach einer Weile lies sie ihren großzügigen Retter zu sich rufen. Ihr war schnell klar geworden, dass er der einzige in der ganzen Karawane war, dem sie vertrauen konnte. Keiner hier hätte den Schatz des Drachens zurückgelassen, um ein unsinniges Bündel an aufbegehrender Weiblichkeit mitzuschleppen. Auch sie war nicht auf den Kopf gefallen. Sie bestimmte Jack zu ihrer persönlichen Eskorte und sorgte dafür, dass er verpflegt wurde.
Nachdem sie aufgehört hatte ihre Wut an ihm auszulassen wurde er vertrauensvoller und nach Tagen der Annäherung wurde auch er weicher. Sie teilten ein gemeinsames Schicksal, denn beide wollten nicht hier sein, hatten aber auch sonst keinen besseren Platz in der Welt an dem sie lieber sein wollten.